Warum wir mehr als ein Accelerator sind – 7 Fragen an unseren CEO

Verfasst von Lea Renz

Medical Life Sciences und Marketing Enthusiastin mit M.A. in Medienwissenschaft

20 Mai, 2022

Der Medical Innovations Incubator (MII) ist vor allem bekannt für den „4C Accelerator Tübingen“ – und das zurecht: Mehr als 20 Teams haben das Programm mittlerweile erfolgreich durchlaufen und sind auf einem guten Weg mit ihren innovativen Produkten den Gesundheitsmarkt von morgen mitzugestalten. Dass der MII aber mehr als ein Accelerator ist, verrät bereits der Name. Warum? Das erklärt unser CEO Ingo Hämmerle und stellt sich 7 Fragen rund um unsere Arbeit.

 

Für den Anfang: Wo hört ein Accelerator auf, wo fängt ein Incubator an?

Ingo Hämmerle: Schwierig zu beantworten, da in der Praxis die Begrifflichkeiten unterschiedlich verwendet werden. Mir sind mehrere Definitionen bekannt. Allerdings kenne ich keine, die sich wirklich durchgesetzt haben.

Ich möchte daher kurz erläutern, wie wir das interpretieren. Als Medical Innovations Incubator GmbH möchten wir alles anbieten was frühphasige Startups benötigen, um einen guten, schnellen und stabilen Start hinzulegen. Dabei fokussieren wir uns nicht auf Räumlichkeiten. Wir bieten kostenlose und kostenpflichtige Dienstleistungen, Knowhow, Prozesse sowie Vernetzung mit Partnerinnen und Partnern, die alle weiteren Fragen lösen helfen. In einigen Fällen geht unsere Unterstützung bis ins Interim-Management, wobei wir etwa die Geschäftsführung oder die Bereiche Regulatory Affairs und Clinical Affairs zeitweise übernehmen. Das Startup sync2brain ist ein solcher Fall. Hier haben wir im Zuge des Interim-Managements das Projekt vorangebracht, Vertragsverhandlungen mit Lieferanten geführt, eine Geschäftsführung gesucht – und mit Ramona Samba gefunden – und das Team so lange begleitet, bis die Geschäftsführung ongeboardet war.

Als Incubator darf ein Accelerator im Angebot natürlich nicht fehlen. In unserem Fall ist das der „4C Accelerator Tübingen“, der als Kohortenprogramm mit einem definierten Zeitraum nach einem klar strukturierten, von uns entwickelten Curriculum abläuft.

 

Das 4C Konzept und Regulatory Thinking® sind die Grundpfeiler des MII – wie kam es zu diesem Förderkonzept?

IH: Das 4C Konzept und Regulatory Thinking® sind nichts anderes als die konsequente Weiterentwicklung aus der langjährigen Erfahrung der Stiftung für Medizininnovationen und des MII in der Betreuung und Unterstützung von Gründungsvorhaben in dieser komplexen Branche – den medizinischen Life Sciences.

Wir haben mit der Zeit gelernt, dass die gängigen Methoden und Unterstützungsformate für unsere Startups genau so wertvoll sind, aber leider nicht ausreichend. Wir haben nach Antworten gesucht und diese Suche in ein Forschungsvorhaben gegossen. Das Ergebnis ist eine Fokussierung auf die Themen, die verstanden und handhabbar trainiert werden müssen – die 4Cs: Commercialization, Certification, Clinical Studies und Copyright. Darüber hinaus wissen wir, wenn man aus der Not eine Tugend macht, kann ein Wettbewerbsvorteil entstehen. Das versuchen wir mit dem Regulatory Thinking® Ansatz zu vermitteln. Die regulatorischen Anforderungen gehören einfach dazu. Wenn man diesen Fakt besser verarbeitet und umsetzt, entsteht mehr Geschwindigkeit, weniger Kosten und damit ein klarer Wettbewerbsvorteil.

 

Was zeichnet dieses Förderkonzept aus?

IH: Ich würde sagen, man kann es unter der Überschrift „Startup-Förderung neu gedacht und hoch spezialisiert“ mit

  • klarem Fokus,
  • inhaltlicher Tiefe,
  • vernetztem Verständnis,
  • qualitativem Netzwerk, aber
  • ohne Ideenfindung und -optimierung,
  • ohne technische Weiterentwicklung von Produkten und
  • weniger bunt, also ohne TikTok-Marketing und ähnlichem,

zusammenfassen. Wir arbeiten komplementär zu anderen Förderangeboten, da wir viele Dinge und Inhalte nicht im Portfolio haben. Dafür richten wir alle Angebote auf die optimale und individuelle Unterstützung in den 4Cs und im Regulatory Thinking® aus durch

  • ein spezialisiertes Team,
  • ein ebenso spezialisiertes Netzwerk und
  • der Entwicklung von Geschäftsmodellen mit Hilfe regulatorischer Anforderung.

Welche Rolle spielt dabei vernetztes Verstehen?

IH: Vernetztes Verständnis ist ein echter Schlüssel und extrem wichtig. Unsere Arbeitshypothese ist, dass es nur möglich ist ein stabiles Geschäftsmodell und Business-Plan in den medizinischen Life Sciences zu entwickeln, wenn man die 4Cs und ihre Zusammenhänge richtig verstanden hat.

Unsere Startup Coaches sind daher keine Spezialisten in einem einzelnen C – dafür haben wir dann spezialisierte Partnerinnen und Partner. Ihre Aufgabe ist es, die Auswirkungen durch die Veränderung eines Cs auf die anderen Cs zu antizipieren und den Startups dabei zu helfen, dass am Ende alles durchdacht ist.

 

Ein gutes Konzept allein reicht nicht – woher stammt die Expertise?

IH: Als Stiftung für Medizininnovation und MII sind wir ja schon seit 2014 aktiv und haben entsprechend viel gesehen, ausprobiert und gelernt. Weiter haben wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit unterschiedlichem Background: aus der Wissenschaft bis hin zu Führungskräften aus der Industrie. Darüber hinaus ein qualitativ hochwertiges Netzwerk mit unterschiedlichen Expertisen. Unser Anspruch als Plattform für Medizininnovationen ist es, nicht nur zu verweisen, sondern an den Cases inhaltlich tief dranzubleiben und ein stückweit mitzuwirken. Daher können wir auch nicht mit unendlichen vielen Startups zusammenarbeiten, sondern nur mit einer kleinen Anzahl.

Das ist sozusagen „training on the job“. Neues Wissen wird dann auch im Rahmen von internen Workshops im Team weitergegeben. Hinzu sind wir in branchenrelevanten Netzwerk-Organisationen, Arbeitskreisen und Konsortien vertreten.

 

Wie wird das Förderkonzept umgesetzt?

IH: Wie schon zuvor leicht angeklungen ist, gelingt dies einerseits durch unseren „4C Accelerator Tübingen“ – quasi unser Flaggschiff-Angebot. Jedoch stehen unsere anderen Dienstleistungen und Produkte dem in Qualität nichts nach. Alles dreht sich um die 4Cs und Regulatory Thinking® – vom Coaching bis zur Implementierung eines Qualitätsmanagementsystems (QMS) und Interims-Management. Dabei sind unsere Services jedoch immer sehr individuell auf die Startups zugeschnitten. Denn wir wissen: Kein Case gleicht dem anderen.

 

Warum ist der MII auch eine Plattform für alle, die sich für Medizininnovationen begeistern?

IH: Die Stiftung möchte Medizininnovationen fördern. Diese entstehen auch in etablierten Firmen, in der Wissenschaft oder im Alltag. Ohne Finanzierung wird aber aus der besten Idee nichts. Daher brauchen wir Investorinnen und Investoren und etablierten Unternehmen auf der Plattform. Talente sind ebenso wichtig. Insbesondere die, die gerne unternehmerisch tätig wären bzw. etwas gestalten wollen, aber selbst keine Produktidee haben.

Daraus ergibt sich konsequenter Weise der Plattform-Gedanke. Nur wenn wir alle zusammenbringen, die sich für Medizininnovationen begeistern, können wir die Vision von Prof. Eberhart Zrenner, Gründer und Vorstand der Stiftung, verwirklichen.

 

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